Leim und Kleber

Welcher Leim für welchen Zweck


Als Gitarrenbauer steht man oft vor Aufgaben die den Einsatz bestimmter Leime oder Klebstoffe erfordern. Oft wird aber die Einfachheit der Ausführung über deren Nachhaltigkeit gestellt und mit für den Gitarrenbesitzer ungünstigen Klebstoffen gearbeitet. Jeder der ein besonderes Instrument gekauft oder gebaut hat, wird wohl irgendwann in die Verlegenheit kommen kleine oder größere Reparaturen an dieser liebgewonnenen Gitarre ausführen zu lassen.

 

Die Reparaturen können sich von kleinen Rissen über die Erneuerung von Steg oder Bünden bis hin zu Ersatz von Griffbrett oder anderen schwerwiegenderen Arbeiten erstrecken. Meines Erachtens liegt es in der Verantwortung des Gitarrenbauers seiner Nachwelt nur Instrumente zu hinterlassen an denen diese Arbeiten so gefahrlos wie möglich ausführbar sind.

 

Ich habe Gitarren gesehen deren Bünde mittels Epoxidharze (EP-Harze) verklebt waren oder deren Steg mit Cyanoacrylat oder Alkylcyanacrylat (Sekundenkleber) befestigt wurden.

 

Diese Art des Gitarrenbaues kann ich nicht gut heißen, da es keine technische Notwendigkeit gibt diese Klebstoffe zu wählen.

 

Nicht nur aus Tradition oder aus altmodischen esoterisch angehauchten Gründen sollte man die Leime verwenden die seit jeher zum Bau von guten Instrumenten verwendet worden sind, sondern weil die Glutinleime (Knochenleim, Hautleim, Hasenleim und Fischleim) einfach die besten „Kleber“ für diese Aufgaben sind.

 

Für den handwerklichen Gitarrenbau ebenso geeignet sind die modernen Aliphatischen Leimen (z.B. Titebond) diese sind Dispersionsharzkleber welche sehr gerne als „modernen“ Ersatz für die Glutinleime verwendet werden. Aus meiner Sicht spricht nichts gegen die Verwendung, wenn man die Sorten verwendet die wiederablösbare Leimfugen schaffen.

 

Wer jedoch einen guten, zuverlässigen, gesundheitsfreundlichen und reparaturfreundlichen Leim sucht ist für den Einsatz beim Instrumentenbau am besten mit dem Hautleim und dem Fischleim beraten. Beide Leime sind einfach anzuwenden, wenn man sich erstmal mit Ihren Eigenschaften vertraut gemacht hat. Beide Leime unterscheiden sich jedoch auch mehr oder weniger stark in ihren Verarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften.

 

Obwohl im Musikinstrumentenbau Knochenleim bis heute verwendet wird, weil die Leimung jederzeit problemlos wieder geöffnet werden kann (Reversibilität) und Knochenleim durch seine große Härte die Schallwellen besser übertragen soll, ist dieser Leim nicht meine erste Wahl. Zum Furnieren von großen Flächen im Möbelbau ist er jedoch in der Heimwerkstatt genial!

 

Von der Verwendung des Knochenleims zum Instrumentenbau rate ich persönlich ab, da die Klebeverbindung extrem starr und glashart wird und sich sehr schnell Zwangsspannungen in Rissen oder gestörten Leimfugen erkennbar machen. Hier gibt es aber bestimmt auch andere Stimmen in der Riege der Instrumentenbauer!

 

 

Erste Wahl ist wie bereits erwähnt der Hautleim. Dieser Leim zeichnet sich durch seine unauffällige Leimfuge und seine geringfügige, aber im Vergleich mit dem Knochenleim, spürbaren Elastizität aus.

 

Zur Verleimung von Boden, Decke, Zargen und Bebalkung verwende ich diesen Leim sehr gerne. Zur Verleimung von Randeinlagen verwende ich am liebsten Fischleim, da dieser sehr schnell „anzieht“ aber eine relativ lange "offene Zeit" hat bevor er sich unverrückbar verbindet. Gerade beim leimen der Randeinlagen (Bindings) und Zierstreifen (Purflings) ist diese zusätzliche Zeit sehr angenehm. Der Fischleim ist übrigens im Gegensatz zu dem Hautleim ein Kaltleim, der in sehr guten Qualitäten fertig gekauft werden kann (z.B. Kremer Pigmente).

 

Der Hautleim als sogenannter Heiß-oder Warmleim sollte wie alle Glutinleime immer möglichst frisch verwendet werden. In der Regel ist der Leim sehr schnell aus Hauleimperlen oder Granulat herzustellen.